Posted by on Kvě 27, 2020 in Deutsch | 0 comments

„Bild“ und die Drosten-Studie, Kuckuckszitate, Steingart-Experiment

„Bild“ und die Drosten-Studie, Kuckuckszitate, Steingart-Experiment

1. Wie berechtigt ist die Kritik an der „Drosten-Studie“?
(spiegel.de, Julia Köppe)
„Bild“ missbrauchte wissenschaftliches Feedback zu Teilaspekten einer Studie im Pre-Print-Stadium, an der der Virologe Christian Drosten mitgearbeitet hat, um diese in ihrer Gesamtheit zu diskreditieren. Julia Köppe erklärt die Hinweise von Statistikern und kommentiert: „Unter Forschern ist es üblich, einen eigenen Beitrag zu verfassen, wenn es Anlass zur Kritik gibt und in sachlicher Sprache darzulegen, wo der Fehler liegt. Das kann auf Laien schon mal harsch wirken. Die aktuelle ‚Bild‘-Berichterstattung skandalisiert einen in der Wissenschaft völlig üblichen Vorgang.“
Weitere Hörempfehlungen: Der aktuelle „FAZ“-Podcast: „Wir haben allerbeste Chancen“ – Virologe Drosten über Corona und die „Bild“ (Audio, 26:46 Minuten) mit einem Gesprächsangebot von Christian Drosten an „Bild“ in den letzten Minuten.
Und die aktuelle Folge des „Coronavirus-Updates“ (NDR), in der Christian Drosten ebenfalls Stellung zu den Vorwürfen der „Bild“-Zeitung nimmt (Audio, 52:30 Minuten).

2. Meine (fast) sechs Monate mit Gabor Steingart
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer hatte Großes vor: „Ein halbes Jahr lang Gabor Steingarts ‚Morning Briefing‘ auf den Prüfstand stellen, um zu sehen, wie nah er an seinem Markenversprechen ‚100% Journalismus. Keine Märchen‘ liegt.“ Knüwer hat das Experiment nicht durchgehalten, aber die immerhin vier Monate haben gereicht, um die Methode Steingart zu dechiffrieren: „1. Nur Fakten einblenden, die eine These stützen. 2. Behauptungsjournalismus galore. 3. Niemals an das Gute im Menschen glauben. 4. Hasse die Medien – aber bediene Dich ihrer. 5. Erschwere die Recherche. 6. Korrigiere Dich niemals. 7. Habe keine Meinung – tu nur so.“
Weiterer Lesehinweis aus dem Archiv: Die Weihnachtsgeschichte im Gabor-Steingart-Style aus der Feder des „6 vor 9“-Kurators: Steingarts „Morning Briefing“ über Marias neues Religions-Startup (uebermedien.de, Lorenz Meyer).

3. „Das Wort Idiot hätte Loriot nie verwendet“
(sueddeutsche.de, Mareen Linnartz)
Die „Süddeutsche Zeitung“ hat sich mit Gerald Krieghofer unterhalten, einem Experten für sogenannte Kuckuckszitate. Dabei handelt es sich um Falschzitate, die allerlei Berühmtheiten untergeschoben werden. In seinem Blog führt Krieghofer 493 dieser vermeintlichen Zitate auf, von Adorno bis Zola. Anlass für das Gespräch ist ein erfundenes Loriot-Zitat, das gerade in den Sozialen Medien die Runde macht.

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4. Ärger um einen Hörfunkklassiker: Darum steigt der NDR beim „Zeitzeichen“ aus
(rnd.de, Imre Grimm)
Der NDR will in den kommenden Jahren 300 Millionen Euro einsparen und sich dabei auch von Sendungen trennen. Der Hörfunkklassiker „Zeitzeichen“ soll zum Beispiel komplett ins Netz verlegt werden. Imre Grimm kommentiert: „Ist das zeitgemäß? Gewiss. Ist das sinnvoll? Gewiss nicht. Das ‚Zeitzeichen‘ gehört zu den profiliertesten Radiomarken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Es passt blendend ins Profil. Der Verweis auf die Audiothek schließt Hunderttausende aus, die dem Tagestakt des Radios noch immer massenhaft bereitwillig folgen und den Podcast-Kosmos kaum je für sich entdecken werden.“

5. Der Rassismus einiger Medien
(deutschlandfunk.de, Mirjam Kid, Audio: 6:18 Minuten)
Thuy-Tien Nguyen vom post-migrantischen, asiatisch-deutschen Netzwerk korientation beobachtet die Corona-Berichterstattung und entdeckt dabei immer wieder Formen von anti-asiatischem Rassismus. Auch bei Medien, von denen man dies eigentlich nicht erwarte würde: „Die Bildzeitung und das Cicero-Magazin sind natürlich mit dabei. Aber auch ganz vorne ist der Spiegel, die Frankfurter Allgemeine, die Tagesschau — da ist auch mal ein Fall passiert — Hamburger Morgenpost, Mitteldeutsche Zeitung, die Abendzeitung München.“

6. Twitter zerpflückt Trump-Tweet in erstem Faktencheck
(spiegel.de)
US-Präsident Donald Trump nutzt Twitter gern als sein tägliches Verlautbarungsorgan für Lügen, Stuss und Hetze, und Twitter ließ ihn dabei stets gewähren. Dies scheint sich zu ändern. Erstmals hat Twitter einen Trump-Tweet auf Richtigkeit überprüft und den Tweet des Präsidenten mit einem Link zur Richtigstellung versehen. Die Reaktion des US-Präsidenten ließ nicht lange auf sich warten: „Twitter unterdrückt das Recht auf freie Meinungsäußerung, und ich, als Präsident, werde das nicht zulassen!“
Weiterer Lesehinweis: Das Interview von „Zeit Online“ mit dem US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz: „Das Bewusstsein wächst, dass Trump nicht der Richtige ist“ (zeit.de, Marcus Gatzke).

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