Posted by on Čvn 5, 2020 in Deutsch | 0 comments

„Bild“-Buhrow, Ohrfeige für Storymachine, Hutbürger reloaded

„Bild“-Buhrow, Ohrfeige für Storymachine, Hutbürger reloaded

1. Berliner Justizbeamter behindert ZDF-Dreh bei Prozess gegen einen Rechtsextremisten
(netzpolitik.org, Daniel Laufer)
Als ein ZDF-Fernsehteam gestern von einem Prozess gegen einen Rechtsextremisten berichten wollte, wurde es von einem Berliner Justizbeamten an der Arbeit gehindert und körperlich angegangen. Obwohl sich das Team um den Journalisten Arndt Ginzel zuvor ordnungsgemäß beim Landgericht für die Dreharbeiten akkreditiert hatte. netzpolitik.org zeigt Videoaufnahmen des Vorgangs, die an die absurden Szenen mit dem „Hutbürger“ erinnern („Sie haben mich ins Gesicht gefilmt!“). Ein Sprecher des Justizsenators habe Aufklärung versprochen: „Selbstverständlich wird der Fall aufgearbeitet.“

2. „Unprofessionell und leichtfertig“: Ethikwächter rügen Storymachine
(stern.de, Hans-Martin Tillack)
Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) versteht sich als Selbstkontrollorgan der PR-Wirtschaft. In dieser Funktion hat sich der DRPR mit den Aktivitäten der Berliner Agentur Storymachine zur medialen Vermarktung der viel diskutierten Heinsberg-Studie befasst und eine Rüge ausgesprochen. Die Agentur habe „leichtfertig und unprofessionell agiert und zu einer nachhaltigen Verunsicherung der Öffentlichkeit beigetragen“. Storymachine wolle nun rechtliche Schritte gegen das Kontrollorgan prüfen. Hans-Martin Tillack geht in seinem Beitrag auch auf die Hintergründe der Agentur ein, die 2017 vom ehemaligen „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann, dem Eventmanager Michael Mronz und dem ehemaligen stern.de-Chef Philipp Jessen gegründet worden ist und mittlerweile 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen soll. Außerdem hat sich Tillack angeschaut, für wen die umtriebige PR-Agentur noch alles arbeitet beziehungsweise arbeitete. Mit dabei: die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die die Agentur-Dienste jedoch privat bezahle.

3. Kampagne statt Kritik: Was bei «Bild» vs. Drosten schief lief
(medienwoche.ch, Sarah Kohler)
Im Zusammenhang mit den Angriffen der „Bild“-Medien auf den Virologen Christian Drosten erklärt Sarah Kohler die wissenschaftliche Veröffentlichungspraxis über Vorabveröffentlichungen (Preprints) und den sich daran anschließenden Begutachtungsprozess. Kohler konstatiert: „Die Kampagne der Boulevardzeitung basierte auf einer verzerrten Sichtweise auf das moderne Wissenschaftssystem. Diskussion und Kritik sind eine Notwendigkeit für die Wissenschaft. Deswegen ist Kritik an wissenschaftlichen Studien, zumal an deklarierten Vorabveröffentlichungen, nicht die Zurschaustellung eines Mangels. Sie dient vielmehr dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt. Die «Bild»-Zeitung stellt also einen normalen Vorgang als Problem dar, indem sie die Kritik an einem vorläufigen Befund als absolut hinstellt.“

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4. Warum vor allem Männer uns das Virus erklären
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 5:00 Minuten)
Bei vielen Medien werden die Chefposten von Männern besetzt, und auch in den Medien selbst kommen Frauen seltener zu Wort als Männer. Letzteres falle gerade während der Corona-Pandemie auf: Interviewt würden fast immer männliche Experten. Es sei ein strukturelles Problem, dem sich aber konkret begegnen lasse. Der Verein ProQuote stelle beispielsweise eine Liste von qualifizierten Corona-Expertinnen zur Verfügung.

5. Rezo-Zerstörung der Presse: Ein Faktencheck
(berliner-zeitung.de, Kai-Hinrich Renner)
Der Youtuber Rezo hat in seinem aktuellen Video zahlreichen Medien vorgeworfen, fehlerhaft über ihn berichtet zu haben, und dies in einer Excel-Tabelle dokumentiert. Die „Berliner Zeitung“ sei auf eine Falschmeldungsquote von 55 Prozent gekommen – ein Wert, den das Medium nicht auf sich sitzen lassen will.

6. ARD-Chef macht gratis Programm für „Bild“
(uebermedien.de, Stefan Niggemeier)
Warum schreibt ein ARD-Vorsitzender und WDR-Intendant ausgerechnet für ein unseriöses Presseorgan wie „Bild“? Diese Frage hat sich Stefan Niggemeier bei der Lektüre eines „Bild“-Artikels von Tom Buhrow gestellt und sie, zusammen mit einigen anderen Fragen, flugs an den WDR weitergeleitet. Die Antwort fiel knapp aus und entsprach inhaltlich einem „weil er es kann“. Niggemeier kommentiert: „ARD und ZDF sind seit Jahren Ziel von Kampagnen der ‚Bild‘-Zeitung. Die ‚Bild‘-Zeitung ist seit Jahrzehnten Symbol für Verantwortungslosigkeit im Journalismus. Der WDR-Intendant und amtierende ARD-Vorsitzende aber hat kein Problem damit, sich unentgeltlich in den Dienst dieses Mediums zu stellen.“

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