Posted by on Lis 23, 2020 in Deutsch | 0 comments

“Voldemort-Journalismus”, Grabtourismus, Trittbrettfahrer-Bio

“Voldemort-Journalismus”, Grabtourismus, Trittbrettfahrer-Bio

1. “Dieser Voldemort-Journalismus ist doch magisches Denken”
(uebermedien.de, Jürn Kruse)
Anfang November tötete ein Attentäter in der Wiener Altstadt vier Menschen und verletzte viele weitere. In unmittelbarer Nähe befand sich “Falter”-Chefredakteur Florian Klenk, der aus den Redaktionsräumen des Wochenmagazins seine 300.000 Twitter-Follower mit Informationen zum Tathergang versorgte. Klenk verbreitete dabei auch einen Falschalarm der Polizei. Jürn Kruse hat Klenk interviewt: “Für die einen bin ich ein wichtigtuerischer Vollhonk und die anderen meinen, dass das vorbildlich gewesen sei. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.” Ein Gespräch, das nicht nur spannende Fragen zu dem konkreten Fall aufwirft, sondern die Schwierigkeiten von Live-Berichterstattung bei ähnlichen Situationen aufzeigt.

2. Viel Pfeffer, kein Salz
(taz.de, Simone Schmollack)
Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist ein Medienphänomen: Als Politiker und Mediziner ist er derzeit auf nahezu allen Kanälen präsent – ob als Dauergast bei Anne Will, Markus Lanz, Sandra Maischberger oder Maybrit Illner, in den klassischen Medien oder auf Twitter. Wer ist dieser Mann, der seit 30 Jahren in jedem Restaurant darauf besteht, ungesalzenes Essen serviert zu bekommen, der von Termin zu Termin hetzt und sich erheblicher Kritik (bis hin zu Morddrohungen) aussetzt? Simone Schmollacks Porträt bringt einem den omnipräsenten Lauterbach etwas näher und versucht zu ergründen, warum er derart polarisiert: “Lauterbach ist beides, Rechthaber und Spielverderber.”

3. Presse darf Schaulust am Grab des Kopiloten nicht fördern
(faz.net)
“Bild” berichtete 2015 über die nichtöffentliche Beerdigung des für das Germanwings-Unglück verantwortlichen Co-Piloten. Dabei veröffentlichte die Redaktion auch Fotos des Grabs. Dies wurde nun vom Bundesgerichtshof beanstandet, es würde einen “Grabtourismus” fördern: “Privatheit und die berechtigte Erwartung, nicht zum Objekt von Schaulust und Sensationsgier in Momenten der Trauer beim Besuch des Grabes eines nahestehenden Verstorbenen zu werden, bestehen auch auf einem öffentlichen Friedhof und haben am Schutz des Rechts auf Privatsphäre teil.”

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4. Hohe Hürden für Beschlagnahme der Kamera
(verdi.de)
Ein nebenberuflicher Fotojournalist begleitete im Sommer eine Demo. Er habe dabei, wie von Seiten der Polizei behauptet, durch Aufnahmen nichtöffentlicher Gespräche “die Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes” verletzt. Daraufhin beschlagnahmten die Beamten seine Kamera mitsamt der Ausrüstung. Die Klage auf Herausgabe wurde zunächst von Amtsgericht und Landgericht abgewiesen. Nun hat das Bundesverfassungsgericht anders entschieden, für den Fotojournalisten.

5. 15 Jahre Metaebene
(metaebene.me, Tim Pritlove)
Man kann Tim Pritlove getrost als Podcast-Pionier bezeichnen: Lange bevor sich in Deutschland Medienhäuser überhaupt nur Gedanken darüber machten, startete er eine ganze Reihe von Podcasts. Aktuell feiert Pritlove sein 15-jähriges Schaffen in dem Bereich und erzählt, was in den vergangenen fünf Jahren alles bei ihm passiert ist. Eine Übersicht zu den ersten zehn Jahre gibt es in einem früheren Resümee. Dieser Beitrag liegt zwar fünf Jahre zurück, kann Interessierten aber immer noch empfohlen werden, da er ein Stück deutsche Podcast-Geschichte abbildet.

6. Die verdächtige Trittbrettfahrer-Biografie über Obama
(welt.de, Christian Meier)
Bei Amazon erfreut sich eine zweifelhafte Obama-Biografie eines obskuren Verlags großer Beliebtheit. Es bestehe der Verdacht, die Biografie sei mit der Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) zusammengestöpselt worden. Christian Meier erklärt den Fall, der viele spannende Aspekte hat. Sein Fazit: “Eins ist klar – völlig unabhängig davon, ob das ‘Barack Obama Book’ nun von einer KI geschrieben wurde oder nicht: computergenerierte Texte werden besser, und die Technologie dahinter ist ein Geschäftsmodell.”

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