Posted by on Čvn 2, 2021 in Deutsch | 0 comments

Von Osaka lernen, “Freundeskreise”, Falsch verstandene Neutralität?

Von Osaka lernen, “Freundeskreise”, Falsch verstandene Neutralität?

1. Profitennis in den Medien: Was wir von Naomi Osaka lernen können
(ndr.de, Fritz Lüders)
Die japanische Profi-Tennisspielerin Naomi Osaka (derzeit auf Weltranglisten-Platz 2) hat die French Open abgebrochen. Die Turnierleitung hatte ihr Gespräche mit Medien abverlangt. Dazu habe sie sich jedoch aufgrund von Depressionen außerstande gesehen. Fritz Lüders kommentiert: “Der Vorwurf von Osaka, dass Fragen häufig redundant sind oder auf persönliche und sensible Themen abzielen, ist jedenfalls kaum zu entkräften. Müssen Misserfolge den Betroffenen unter die Nase gerieben werden, wenn es für die Berichterstattung eigentlich unnötig ist? Sollten ehemalige Leader der Weltrangliste jahrelang gefragt werden, wann sie endlich wieder richtig performen? Und sollte man die Erwartungen einer ganzen Nation ungefiltert an Einzelsportler weitergeben?”
In diesem Zusammenhang ebenfalls interessant ist der Beitrag “Über Scheißfragen” auf fussballlinguistik.de. Antje Wilton schreibt dort über den Interview-Unmut des Fußballers Jonas Hector nach einem verlorenen Spiel und kritisiert vor allem den Interviewer: “Das ‘Dumme’ an solchen Fragen in den Spielerinterviews kann man also mit einer detaillierten Analyse noch etwas genauer bestimmen. Und man erkennt die Macht der Frage: scheinbar harmlos, kann sie den Befragten in eine unangenehme Situation bringen. Der Reporter wollte Emotion und hat sie bekommen – allerdings nicht als Frust über eine Niederlage, sondern über sein Frageverhalten.”
(Hinweis: Solltest Du unter Depressionen leiden, dann gibt es Menschen, die Dir helfen können, aus dieser Krise herauszufinden. Eine erste schnelle und unkomplizierte Hilfe bekommst Du etwa bei der “TelefonSeelsorge”, die Du kostenlos per Mail, Chat oder Telefon (0800 – 111 0 111 und 0800 – 111 0 222) erreichen kannst.)

2. Himmler, Hassel und die politischen “Freundeskreise”
(deutschlandfunk.de, Annika Schneider, Audio: 6:53 Minuten)
ZDF-Intendant Thomas Bellut will sich nicht für eine dritte Amtszeit bewerben, sondern im März 2022 aus dem Amt scheiden. Das wirft die Frage nach einem möglichen Nachfolger oder einer Nachfolgerin auf. Die Intendantenwahl könne schon bei der nächsten Sitzung des ZDF-Fernsehrates im Juli stattfinden. Das Ganze sei auch eine politische Entscheidung, so sei von einem “roten Freundeskreis” und einem “schwarzen Freundeskreis” die Rede.

3. Die falsch verstandene Neutralität der Tagesschau
(netzpolitik.org, Markus Reuter)
Die “Tagesschau” hat in einem Bericht ein Bild des nächtlichen Marburg verwendet, bei dem man – bei genauem Hinsehen – ein AfD-kritisches Graffiti entdecken konnte. Nachdem die “Tagesschau” davon erfahren hatte, tauschte die Redaktion das Hintergrundbild in der Webversion aus und zeichnete den Beitrag neu auf. Markus Reuter hält das Vorgehen der Redaktion für falsch: “Man kann nicht die vermeintliche Objektivität seines Journalismus wie eine Monstranz vor sich hertragen, aber dann Bilder rausnehmen oder retuschieren. Es zeugt auch von Angst gegenüber der Meinungsmacht der rechtsradikalen und rechtspopulistischen Szene, wenn man in Antizipation eines möglichen Shitstorms vorauseilend deren Willen exekutiert.”

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4. Wenn Haltung den Staat gefährdet
(verdi.de, Johannes Schillo)
Der Sozialwissenschaftler und Journalist Johannes Schillo kritisiert die Beobachtung der “jungen Welt” durch den Verfassungsschutz: “Die Zulassungsbedingungen zum öffentlichen Diskurs werden neu geregelt – und das zu einem Zeitpunkt, wo Deutschland lautstark die Unterdrückung der Pressefreiheit in anderen Ländern wie China, Russland oder Ungarn anprangert. Bleibt die Frage, was man als Aufklärung über gesellschaftliche Sachverhalte heute noch sagen darf, ohne ins extremistische Fahrwasser und damit ins Visier des hochgerüsteten deutschen Sicherheitsapparates zu gelangen.”

5. ZDF-Digital-Chef Michael Kollatschny: “Mainz und Berlin first”
(dwdl.de, Alexander Krei)
“DWDL” hat sich mit Michael Kollatschny unterhalten, der seit Jahresbeginn die Geschäfte von ZDF Digital führt. Mehr als 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich dort nicht nur um TV-Projekte, sondern auch um Software- und App-Entwicklung sowie um Themenfelder wie Virtual Reality, Künstliche Intelligenz oder Machine Learning. Nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten, wie Kollatschny selbst zugeben muss: “Als ich im vergangenen Jahr meine Ansprechpartner*innen im Haus kennenlernte, habe ich selbst nicht gleich komplett überschauen können, was bei der ZDF Digital angedockt ist.”

6. Freie Presse verschwindet
(taz.de, Barbara Oertel)
Unabhängige Medien haben es in Russland ausgesprochen schwer. Mit newsru.com zieht sich nun ein weiteres alternatives Informationsmedium zurück. Die Gründe dafür seien ökonomische Schwierigkeiten, die jedoch von der politischen Situation im Lande verursacht worden seien, schreibt Barbara Oertel unter Hinweis auf das Abschiedsschreiben der newsru.com-Redaktion auf deren Website.

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